BrückenbauRevitTechnik Tipps

Um die Ecke modellieren: So konstruierst Du komplexe Entwässerungsleitungen in Deinem Brücken-Modell

Neulich im Support kam die Frage auf: Wie konstruiere ich eine Brücken-Entwässerungsleitung dreidimensional in mehreren Achsen (ohne auf die Rohrleitungs-Werkzeuge zurückzugreifen, einfach mit den Modellierungs-Fähigkeiten des Anwenders)

Eine gute Gelegenheit für einen neuen Blogbeitrag der zeigt, wie du mit Arbeitsebenen und Referenzlinien auch komplexe Geometrien direkt im Projekt oder im Familieneditor für Bauteilfamilien modellieren kannst.

Dieser Beitrag führt dich Schritt für Schritt durch die Lösung oder Du schaust dir mein Video dazu an:

1. Die Challenge: Der 3D-Pfad der Entwässerung

Das Ziel ist klar: Wir wollen eine Entwässerungsleitung bauen, die einen komplexen 3D-Verlauf nimmt:

  • Start: Die Leitung läuft parallel zum Überbau (z.B. der Deckenplatte).
  • Erste Biegung: Sie biegt senkrecht nach unten ab und folgt der Wand.
  • Zweite Biegung & Gefälle: Sie macht einen weiteren Knick und verläuft mit einer Schräge (z.B. 5°) weg vom Bauwerk, um das Wasser loszuwerden.

Wenn Du diese Technik drauf hast, kannst Du den Pfad natürlich auch noch weiterführen, etwa elegant um eine Flügelwand herum. Der eigentliche Trick liegt nicht im Befehl, sondern in der perfekten Vorbereitung!

2. Vorbereitung im Modell: Referenzen schaffen

Bevor Du mit dem Skizzieren startest, solltest Du eine oder mehrere Arbeitsebenen vorbereiten!

  • Referenzebenen definieren: Erstelle alle nötigen Referenzebenen (z.B. die Achse der Entwässerung oder Hilfsebenen für Versätze). Nutze ggf. auch eingebaute Ursprungsebenen wie den Y Ursprung als Ankerpunkt.
  • Der erste Blickwinkel: Um die ersten Linien präzise in den Raum zu zeichnen, legst Du einen Schnitt (Schnitt 1) an, der senkrecht auf die Startrichtung der Leitung blickt. Das ist oft der einfachste Weg, um die vertikale Komponente des Pfades sauber zu definieren.

3. Konstruktion: Alles beginnt mit der Referenzlinie

Die Geometrie erzeugst Du in diesem Beispiel am besten als Projektfamilie.

  • Familie starten: Wähle die Kategorie Rohrleitung .
  • Der Pfad ist eine Skizze: Das ist wirklich wichtig: Der spätere Fahrweg muss komplett zuerst mit Referenzlinien skizziert werden, nicht mit einfachen Modelllinien!
  • Ecken müssen passen: Achte darauf, dass alle Referenzlinien an den Ecken sauber miteinander verschnitten sind. Sie bilden ohne Lücken Deinen späteren Sweep-Pfad.

4. Das A und O: Die Arbeitsebene elegant wechseln

Das ist der wichtigste und eleganteste Teil des gesamten Prozesses! Bei jedem Richtungswechsel im 3D-Raum musst Du die aktive Arbeitsebene neu definieren.

  • Arbeitsebene festlegen: Starte den Befehl Arbeitsebene festlegen.
  • Die klassischen Wege: Du kannst die Ebene entweder über den Namen (z.B. Y Ursprung) oder durch Anklicken einer vorhandenen Wandfläche definieren.
  • Der „elegante“ Trick für den Knick: Stell Dir vor, Du willst am Ende einer geneigten Referenzlinie eine weitere Linie im exakten 90°-Winkel (senkrecht zur Neigung) fortsetzen. So geht’s:
    1. Wähle Arbeitsebene festlegen.
    2. Bewege den Mauszeiger über die geneigte Referenzlinie und drücke die Tabtaste.
    3. Revit wechselt die Auswahl von der Linie selbst zur XY-Ebene, die senkrecht am Endpunkt der Linie steht.
    4. Klicke, um diese neue Ebene zu aktivieren. Nur so fängst Du perfekt den Endpunkt, um die nächste Referenzlinie exakt rechtwinklig zur vorherigen Geometrie fortzusetzen. Genial, oder?

5. Fertigstellung mit dem Sweep-Befehl

Der dreidimensionale Pfad steht! Jetzt erzeugen wir die Geometrie.

  • Sweep starten: Wähle den Befehl Sweep
  • Pfad wählen: Nutze die Option Pfad wählen.
  • Referenzlinien abgreifen: Klicke nacheinander alle gezeichneten Referenzlinien an. Revit setzt den zusammenhängenden 3D-Pfad zusammen.
  • Profil zuweisen: Am Ende wählst Du ein vorbereitetes Profil (z.B. ein Kreisprofil oder ein Platzhalter) aus, um Deine 3D-Geometrie zu generieren.

Fazit: Die Macht der Arbeitsebene

Du siehst: Es sind oft die vermeintlichen Grundlagen, die den großen Unterschied machen. Wenn Du wirklich verstehst, wie Revit mit Referenzebenen und dem Wechsel der Arbeitsebene arbeitet, bist Du nicht nur bei Entwässerungsleitungen, sondern bei jeder komplexen, schrägen Geometrie im Vorteil.

Meistere das Arbeitsebenen-Management, und Du meisterst die 3D-Modellierung! 😊


FAQs

Frage 1: Wie modelliert man eine 3D-Entwässerungsleitung in Revit?

Man modelliert komplexe 3D-Entwässerungsleitungen in Revit am besten, indem man zuerst den exakten Pfad mit Referenzlinien skizziert und diese dann mit dem Befehl Sweep (Austragung) zu einer 3D-Geometrie aufzieht.

Frage 2: Wie nutzt man Arbeitsebenen und Referenzlinien für geneigte Leitungen in Revit?

Um geneigte Leitungen zu konstruieren, nutzt Du Referenzlinien und wechselst die Arbeitsebene an jedem Richtungswechsel elegant, indem Du die Tabtaste auf der bereits gezeichneten, geneigten Linie drückst, um die neue, senkrechte Ebene zu definieren.

Frage 3: Welchen Vorteil haben Projektfamilien und Sweeps bei der 3D-Entwässerungsplanung?

Projektfamilien erlauben eine hohe Flexibilität und Detaillierung direkt im Projekt, während der Sweep-Befehl ideal ist, um komplexe Leitungsgeometrien schnell entlang eines frei definierten 3D-Pfades zu erzeugen.

Frage 4: Gibt es Alernativen zur gezeigten Modellierung?

Alternativ lassen sich diese Leitungen auch mit den entsprechenden Rohrleitungs-Werkzeugen in Revit modellieren

GeländeRevitTechnik Tipps

Tipps zur Erstellung von Geländevolumenkörpern und Rampen in Revit

Einleitung

Die Geländemodellierung in Revit macht seit der Version 2024 erst richtig Spaß und gehört auch zu den Aufgaben für Architekten, Bauingenieure und Planer. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du:

  • eine Rampe modellierst, die direkt ins Gelände einschneidet,
  • einen Geländevolumenkörper (GVK) teilst und bearbeitest,
  • und schließlich mit einem cleveren Workflow Bruchkanten und vertikale Einschnitte erstellst.

Diese Techniken helfen dir, realistische Gelände zu entwerfen und gleichzeitig präzise Volumendaten der Gelände für deine BIM-Projekte zu nutzen.


Was ist ein Geländevolumenkörper (GVK) in Revit?

Ein Geländevolumenkörper (GVK) ist eine Weiterentwicklung des klassischen Geländemodells in Revit. Anstatt nur mit Flächen zu arbeiten, wird ein Gelände als 3D-Volumenkörper dargestellt. Das bringt dir Vorteile wie:

  • mehr Kontrolle über Höhenpunkte,
  • exakte Mengenberechnungen (Volumina),
  • und flexiblere Bearbeitung bei Bruchkanten oder Rampen.

Seit Revit 2024 wurden die Werkzeuge für Geländevolumenkörper weiter verbessert, sodass diese Methode heute Standard ist.


Überblick über die Werkzeuge


Teil 1 – Rampe modellieren, die das Gelände schneidet

Ziel

Eine Rampe so modellieren, dass sie das Gelände durchdringt und das Volumen vom Gelände ausgeschnitten wird.

Vorgehensweise

  1. Rampe in der gewünschten Position skizzieren. Ich nutze hier i.d. Regel die Geschossdecke in Revit.
  2. Mit dem Werkzeug „Geometrie schneiden“ das Volumen der Rampe ausschneiden.
  3. Höhenpunkte bearbeiten, um die Übergänge sauber zu gestalten.

Teil 2 – Geländevolumenkörper unteilen & bearbeiten

Warum teilen?

  • Unterteilungen erleichtern die Modellierung komplexer Geländebereiche.
  • Einzelne Unterteilungen können individuell angepasst werden.
  • Ideal um bspw. Wege oder Flächen auf der Oberfläche zu modellieren
  • Ab Version 2026 können damit auch Einschnitte in den GVK erzeugt werden.

So funktioniert es in Revit:

  • GVK auswählen, dann „Unterteilen“ anwählen
  • Mithilfe von Skizzen-Werkzeugen, ähnlich wie bei Geschossdecken, Teilflächen definieren.
  • Jeder neue Bereich wird automatisch zu einem eigenständigen Volumenkörper.

Höhenpunkte & Unterregionen

  • Die Unterteilungen können nicht über eigene Höhenpunkte geändert werden.
  • Die Änderung erfolgt immer über den GVK, dem die Unterteilung zugeordnet ist.
  • Der Typ der Unterteilung ist frei auswählbar

Teil 3 – Workflow für Bruchkanten & vertikale Einschnitte

Geländevolumenkörper TEILEN & bearbeiten

GVK´s können mit dem Befehl „Element teilen“ (Skalpell) aufgetrennt werden. Nach der Teilung erhält man einen neuen GVK. Die Höhenpunkte- / Kanten dieses neuen GVK lassen sich mit Hilfe der Formbearbeitungswerkzeuge ganz verändern und anpassen.

Wichtig:

  • Jeder GVK ist ein eigenständiges Bauteil
  • Jeder Volumenkörper liefert eigene Mengenangaben.
  • Das ist wichtig für Bauabrechnungen und Mengenermittlung.

Auch wenn die Volumenkörper getrennt bleiben, kannst du sie mit dem Befehl Geometrie verbinden optisch wieder als einen Körper darstellen.

90° Einschnitte modellieren

  • Mit dieser Methode kannst du vertikale Bruchkanten modellieren.
  • Besonders praktisch bei Geländeabbrüchen, Mauern oder steilen Böschungen.

Fazit

Mit der Kombination aus Geschossdecken (Rampe), geteilten Geländevolumenkörpern und Bruchkanten-Workflows lässt sich das Gelände in Revit nicht nur realistisch, sondern auch technisch präzise modellieren.
Diese Methoden sparen Zeit, verbessern die Genauigkeit und bieten gleichzeitig volle Kontrolle über Höhenpunkte und Volumina.

FAQs – Geländemodellierung mit Revit

Frage 1: Wie kann ich in Revit eine Rampe ins Gelände schneiden?
Mit dem Schneiden-Werkzeug erstellst du eine Rampe, die das Geländevolumen direkt durchdringt und Bruchkanten erzeugt.

Frage 2: Kann man Geländevolumenkörper in Revit teilen?
Ja, du kannst mit Skizzen-Werkzeugen Teilbereiche abtrennen. Jeder Bereich wird automatisch zu einem neuen Volumenkörper.

Frage 3: Was ist der Unterschied zwischen Unterregionen und geteilten Volumenkörpern?
Unterregionen sind Teilflächen ohne Höhenpunktsteuerung. Geteilte Volumenkörper erlauben dagegen individuelle Höhenpunktänderungen.

Frage 4: Wie erstelle ich in Revit Bruchkanten oder steile Geländeschnitte?
Teile den Geländevolumenkörper, verbinde die Geometrien bei Bedarf wieder und nutze Höhenpunkte, um vertikale Einschnitte zu modellieren.

Frage 5: Kann ich mit Revit Programme wie Civil3D ersetzen?
Aus meiner Sicht: Nein. Civil3D bietet deutlich mehr Werkzeuge um ein digitales Geländemodell (DGM) zu erstellen / zu bearbeiten. Die Kombination der Programme bietet aber interessante Möglichkeiten.

Frage 6: Wie kann ich mit Revit und Civil3D optimal zusammenarbeiten?

Das DGM in Civil3D erstellen und über die Autodesk Construction Cloud sowie der Funktion “ Topographie verknüpfen“ ins Revit bringen.

DynamoInfrastrukturRevitWorkflow

Bauteile auf gekrümmten Oberflächen modellieren

Was sind die Herausforderungen beim Modellieren von Wasser- und Abwasserbauwerke in Revit?

Kurz gesagt: Standardbauteile fehlen oft – gerade bei Ingenieurbauwerken wie Kanälen, Schächten oder Wasserbauwerken. Die Lösung ist eine saubere, parametrische Eigenmodellierung in Autodesk Revit.

Genau darum geht’s in meinem Video: Ich zeige, wie du eine Schwelle auf einer gekrümmten, geneigten Oberfläche modellierst.

Seit 2010 begleitet mich dieses Thema, und mit jeder Revit-Version (plus Dynamo) wird kann die Aufgabenstellung auf eine etwas andere Art gelöst werden. Das Video ist zwar nicht Neu, aber vielleicht den Lesern meines Blogs noch nicht bekannt.

Was du im Video mitnimmst

  • Vorgehen für individuelle Bauteile im Hafen-, Wasser- und Tiefbau
  • Referenzgeometrie auf gekrümmten, geneigten Flächen anlegen
  • Schwelle modellieren und parametrisch steuern
  • Dynamo als Abkürzung für wiederkehrende Schritte
  • Praxistipps für Brücken, Tunnel & Sonderbauteile

Warum das wichtig ist

Individuelle Modellierung ist der Schlüssel für verlässliche BIM-Daten: korrekte Geometrie, klare Parameter, saubere Ableitungen. So bekommst du belastbare Mengen, bessere Koordination und weniger Nacharbeit – auch ohne fertige Standardfamilien.

Dein nächster Schritt

Schau dir das Video an. Wenn du eine ähnliche Aufgabenstellung hast oder an einer Stelle hängst: Meld dich gern. „Geht nicht in Revit“ lasse ich ungern gelten – und konnte bisher fast immer zeigen, dass es geht 😊

DienstleistungDynamoDynamo TrainingProgrammierung

Dynamo in der Praxis – Projektfamilien in Ladbare Familien „transformieren“

Mit der Node FamilyType.ByGeometrie könnt ihr Geometrie, die ihr in Dynamo erstellt habt, in Revit „zurückschreiben“ als Bauteil-Familie.

Praktischer Anwendungsfall: Lest im Projekt erstellte Projektfamilien in Dynamo ein und schreibt sie als Ladbare / Externe Bauteilfamilie zurück.

Schmankerl: Die Auswahl der zu verarbeitenden Geometrien lässt sich verfeinern, wenn man in Revit Teil-Elemente davon macht 🙂

Easy und eine Node aus dem Standard-Werkzeugkasten. Bei Fragen kommt gern auf mich zu, auch Kurse biete ich aöls Individual oder Basis an: langwich@focusbim.de

BIMBrückenbauDienstleistungDynamoInfrastruktur

Kombinatorik in der Modellierung mit Revit Dynamo

Vor kurzem erreichte uns wieder eine sehr interessante Anfrage zur Unterstützung bei einem Projekt bzw. in der Arbeitsweise mit Revit bei der Brückenmodellierung. Es gab verschiedene Punkte bei denen wir versucht haben, Modellierungsschritte zu vereinfachen oder Alternativen aufzuzeigen. Eine möchte ich Euch heute kurz vorstellen, nämlich die Modellierung von Widerlagern.

Seit 2015 ist eine meiner Modellierungstechniken die „Bottom2Top“ Variante bei der Bauteile in Revit entlang der Trassierung platziert werden. Basis ist dabei die Achse, adaptive Bauteile sowie Dynamo für die Platzierung von Bauteilen und die Übertragung von Parameterwerten. Diese Grund-Technik lässt sich sehr gut auf andere Anwendungsfälle adaptieren und ausbauen – Beispiel: Dynamo-Sweeping Methode im Projekt (2018). Näheres findet ihr hier im Blog / auf Anfrage.

Eine andere Variante wäre die „Top2Bottom“ Modellierung. Dabei werden die Regelquerschnitte „frei“ im Raum platziert. Unser Kunde nutzt den Bridge Modeller von Sofistik, um die Kappen abhängig von Achse / Gradiente zu erzeugen. Schwierigkeiten bzw. Aufwendig in der Modellierung sind dann die Unterbauen wie die Flügelwände. Bei unserer „Bottom2Top“ Variante können wir komplette, voll parametrische Widerlager erstellen und in Abhängigkeit zum Überbau bringen. Da jedoch die Kappen-Erstellung bevorzugt mit dem Modeller erfolgen sollte, haben wir uns eine Kombinatorik überlegt, um das beste aus beiden Wegen miteinander zu verbinden.

Wenn die Kappen erstellt sind, können Kanten ausgewählt werden, die die Basis für die Platzierung von Flügelquerschnitten darstellen. Aus den Querschnitten lassen sich im letzten Schritt Bauteile erzeugen. Verbindungen und Anarbeitungen an Fundament und Widerlagerwand sind anschließend möglich und sollten hier bewusst einzeln erfolgen (im Vergleich dazu: beim DB Trogbrücken-Modul erfolgt Abgleich, Platzierung und Anpassung über Parameter / teilweise automatisch).

Mit Revit 2022 stehen uns übrigens auch endlich für unsere eigenen Familien die entspr. Infra-Kategorien zur Verfügung: